Bildungsthesen zur Landtagswahl in Bayern

Das Thema Bildung wird zweifelsohne ein Megathema bei der Landtagswahl in Bayern spielen. In den kommenden Wochen und Monaten veröffentliche ich hier Thesen für eine moderne Bildungspolitik in Bayern, die ich zusammen mit Dr. Michael Schwindel (Landtagskandidat aus Bobingen, Gymnasiallehrer) sowie Andreas Köglowitz (Bezirkstagskandidat aus Diedorf, Verleger) entwickelt habe.

1. These: Künftig maximal 20 Schüler pro Klasse (veröffentlicht am 17. April 2013)
Für mich sind 20 Schüler pro Klasse in allen Jahrgangsstufen und Schulformen die Obergrenze, um als Lehrender gerade noch die Entwicklung der Schüler im Auge zu behalten und eine Erziehung mit Herz und Verstand zu gewährleisten. Bayern liegt mit 5800 Euro pro Schule je Schüler bei den Bildungsausgaben (Quelle: Statistisches Bundesamt) hinter Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin lediglich im Mittelfeld. Wenn uns Bildung etwas wert ist, dann müssen wir zusätzliches Geld in die Hand nehmen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen

2. These: Für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 (veröffentlicht am 8. Juni 2013)
Meiner Meinung nach sollte die Schulfamilie vor Ort das Recht erhalten, selbst zu entscheiden, ob sie künftig als G8 oder G9 agieren möchte. Das G8 beinhaltet noch immer viele Probleme, die aus seiner überhasteten Einführung resultieren.
Gesellschaftliche Verbände sowie die Elternschaft beklagen den enormen Leistungsdruck und das geringe Freizeitpotential. Aus diesem Grund wäre eine Wahlmöglichkeit die beste Möglichkeit, auf Realitäten vor Ort zu reagieren

3. These: Die Schule muss im Dorf bleiben (veröffentlicht am 22. Juni 2013)
Ich setze mich dafür ein, dass die Schule im Dorf bleibt. Gerade bei Grundschulstandorten bedarf es einer größeren Flexibilität, damit gerade die kleineren Standorte gehalten werden können. Die Landespolitik muss der Kultusbürokratie dafür die notwendigen Mittel in die Hand geben und diesen politischen Willen klar und deutlich formulieren.
Im Bereich der weiterführenden Schulen spreche ich mich für eine Öffnungsklausel aus, damit die Schulfamilie vor Ort entscheiden kann, ob sie eine Gemeinschaftsschule anbieten möchte. Damit könnten gerade ländlichere Gebiete ihre Schule vor Ort halten und somit im Wettbewerb um junge Familien und Wirtschaftsansiedelung Standortvorteile sichern.

4. These: Zwei Lehrer pro Klasse (veröffentlicht am 3. Juli 2013)
Ich selbst habe im Schuljahr 2012/13 das Glück, im Rahmen eines Inklusionsprojektes an meiner Schule mit einer zweiten Lehrkraft unterrichten zu dürfen. Moderner Unterricht mit selbstgesteuerten Lerneinheiten bedingt zweifelsohne, dass der Lehrer lernberatend zur Seite steht. Um die Lerngruppen sinnvoll zu begleiten sowie Differenzierungen vornehmen zu könnten, sind zwei Lehrkräfte pro Klasse, gerade im Lichte des Themas Inklusion, unverzichtbar.

5. These: Den Elternwillen beim Übertritt auf das Gymnasium stärken (veröffentlicht am 25. Juli 2013
Ich gebe es an dieser Stelle gerne zu: ich selbst war schulisch ein Spätzünder. In jedem Kind stecken Potentiale, die es gilt zu aktivieren und zu fördern. Der unsinnige Leistungsdruck bis zur 4. Klasse mit dem Übertritt auf das Gymnasium oder die Realschule – spöttisch auch Grundschulabitur genannt – ist für alle Familien, die ihn durchlebt haben, kräftezehrend, beängstigend und mit unter auch traurig. Die „staatlich verordnete Hellseherei“ in Form von Übertrittszeugnissen muss ein Ende haben. Stattdessen sollte es den Eltern überlassen werden zu entscheiden, welche Schulform für ihre Sprösslinge die beste wäre.

6. Die frühkindliche Bildung stärken (veröffentlicht am 13. August 2013
Die frühkindliche Bildung ist ein wichtiger Faktor, wenn es um den Bildungserfolg geht. Ich persönlich kann es nicht verstehen, warum in Bayern das Kultusministerium nicht auch die Zuständig auf diesen wichtigen Bereich besitzt, denn Bildung muss ganzheitlich, verzahnt und lebenslang gedacht werden – mit mir würde es in München diesbezüglich eine Neujustierung der Zuständigkeiten geben.
Des Weiteren plädiere ich für eine bessere Bezahlung der Fachkräfte im vorschulischen Bereich. Die dort tätigen Personen leisten einen immens wichtigen Beitrag, werden aber viel zu oft nicht leistungsgerecht bezahlt. Auch muss am Personalschlüssel gedreht werden, denn nur ein ideales Betreuungsverhältnis garantiert einen guten Bildungserfolg.
Ich bin mir bewusst, dass meine Forderungen in diesem Bereich Geld kosten werden. Die OECD bekräftig seit Jahren, in Deutschland mehr in den Bildungsbereich zu investieren, um später Kosten des Nachjustierens zu sparen und die Bildungsgerechtigkeit zu stärken.