Spricht der Vorsitzende Arif Diri in seinem uneingeschränkten Pro-Erdogan-Statement wirklich für alle Mitglieder des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereines in Bobingen?

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Flagge Deutschland Türkei
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Leserbrief an die Schwabmünchner Allgemeine (3. August 2016)

Die Meinungsfreiheit ist mir ein hohes Gut. Daher respektiere ich, dass der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins in Bobingen, Arif Diri, bezüglich der massiven Verhaftungswelle in der Türkei sowie der Einschränkung von Grundrechten eine andere Meinung vertritt als ich.
Nichtsdestotrotz ist mir die Presseerklärung dazu in der Schwabmünchner Allgemeinen sauer aufgestoßen.

Arif Diri spricht dort explizit nicht als Privatperson, sondern als Vorsitzender des Freundschaftsvereins. In der Veröffentlichung lobt Diri das „entschiedene Vorgehen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen mutmaßliche Andersdenkende als nötige Maßnahme, um Ruhe in der Türkei herzustellen“. Und weiter: „Das geschieht nur, um danach die gute Politik fortsetzen zu können“.
Zwar ruft der Vorsitzende gleichzeitig Deutsche und Türken zum Dialog und zur Einheit auf, dennoch überwiegt meines Erachtens eine Linie, die das Wirken von Erdogan huldigt. Man kann ja bis zum Putschversuch ein Anhänger Erdogans gewesen sein, denn zweifelsohne ist sein Name mit einem wirtschaftlichen Aufstieg der Türkei verbunden. Aber mittlerweile ist auch vielen ehemaligen Befürwortern klar, wohin die Reise mit Erdogan gehen wird. Sind Säuberungen, Verhaftungen, Beschlagnahmungen von Privatvermögen, das Absetzen von Richtern, Staatsanwälten sowie Militärs, das Schließen von Schulen, medizinischen Zentren sowie Zeitungen, die Einschränkung der Pressefreiheit, das Nachdenken über die Wiedereinführung der Todesstrafe sowie das Regieren per Dekret wirklich Zeichen einer guten Politik, die in dieser Dimension zwar erst seit dem Putschversuch offen zur Schau gestellt wird, sich jedoch bereits seit Monaten immer mehr anzubahnen scheint? Und wenn in Deutschland lebende Türken namentlich nicht mehr zitiert werden wollen, da unter „den Kritikern (…) ein Gefühlscocktail aus Angst, Misstrauen und Resignation zu spüren“ ist, stimmt für mein Dafürhalten etwas nicht mehr. Daher kann ich mir es auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass Arif Diri für alle 250 Mitglieder des Vereines gleichermaßen gesprochen hat. Hier hätte ich mir bei einem solch sensiblen Thema deutlich mehr Fingerspitzengefühl erwartet.
Als jemand, der es mit unterstützt hat, dass Arif Diri Botschafter des Landkreises Augsburg wird, wirken dessen aktuelle Äußerungen äußerst befremdlich. Schweren Herzens werde ich es mir daher nicht nehmen lassen darüber intensiv nachzudenken, ob ein Freundschaftsverein, der die massive Einschränkung von Grundrechten gutheißt, weiterhin mein Verein sein kann.

Alexander Kolb, Schwabmünchen

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