Politischer Jahresrückblick 2011

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zdf_30.03.2011
zdf_30.03.2011

Das Jahr 2011 begann politisch schwarz und endet zum Glück in Grün. Manch schlaflose Nacht reifte in mir vor über einem Jahr den Entschluss, die CSU zu verlassen. Aus inhaltlicher Sicht damals wohl lieber heute als morgen – aufgrund der vielen persönlichen Freunde und aus Pflichtgefühl hätte ich es jedoch fast geschafft, mein letztes gewähltes Amt bis zum Ende „über die Bühne“ zu bringen. Grundsätzlich wollte ich einfach nicht mehr so weitermachen wie bisher, weil ich seit der Geburt meiner Tochter im August 2010 viele Dinge mit anderen Augen sah. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima hat mir dann aber unmissverständlich vor Augen geführt, dass ein „Weiterso“ nicht mehr möglich ist und ich ein politische Zeichen setzen muss. Daraufhin folgte am 19. März 2011 mein Rücktritt als JU-Bezirksvorsitzender und der Austritt aus der CSU. Das war ich meiner Tochter und mir selbst einfach schuldig!

Danach begann eine interessante Phase des politischen Nachtretens mancher ehemaliger „Parteifreunde“. Verstärkt wurde dies sicherlich durch die mediale Beachtung meines Schritts, am 23. März 2011 der Partei Bündnis 90/Die Grünen beizutreten. Diese – ich betone ausdrücklich unbeabsichtigte – Arbeit mit den modernen Medien war sehr aufschlussreich und ich werde  u. a. Liveinterviews im Radio an meinem Hochzeitstag, meinen Einsatz in der ARD-Sendung „hartaberfair“ sowie im neuen ZDF-Studio bei Maybrit Illner wohl für immer in Erinnerung behalten.

Nie vergessen werde ich meine Teilnahme an einer der ersten Mahnwachen auf dem Augsburger Rathausplatz im Zuge der Reaktorereignisse in Japan. Wann hatte ich je zuletzt demonstriert? Ich glaube als Schülersprecher am Gymnasium in Wertingen zu der Zeit, in welcher in Deutschland Asylanten gejagt wurden. Und wie wurde man nun von denjenigen kritisch beäugt, die man früher immer die Hände des Innenministers schütteln sah? Einfach interessant sage ich nur.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet und einige ehemalige politische Weggefährten reichen mir sogar wieder zum Gruß die Hand. In der Tat hat sich mein politisches Adressenbuch stark verkürzt und die politische Weihnachtspost fiel dezimierter als bislang gewohnt aus. Leider konnte nicht jeder zwischen Politik und dem Privaten trennen, auch wenn ich medial noch so viel Wert darauf gelegt hatte, nie „nachzutreten“. Das ist mir sicherlich mit Blick auf manche Person nicht immer stets im gleichen Maße leicht gefallen, aber auch noch so „nett“ gemeinte Droh-SMS konnten mich nicht vom öffentlich anständigen Weg abbringen. Da bin ich mit mir ganz im Reinen – ob das jeder sein kann?

Die Arbeit in meiner neuen Partei und meiner neuen Kreistagsfraktion macht mir mächtig viel Spaß. Manches läuft hier sicherlich anders und an ein paar Sachen muss ich mich auch erst noch gewöhnen, aber wir packen Zukunftsthemen an und man hat nie das Gefühl, am Anfang eines Diskussionsprozess stünde die Meinung bei den Verantwortlichen bereits fest, sondern die ausgeprägte Diskussions- und Demokratiekultur ist motivierend und erfrischend. Keiner zählt mehr als der andere und das ewige Hofieren der anderen Parteien findet hier nicht statt.

In der Opposition bäckt man kleinere Brötchen und die zu bohrenden Bretter sind manchmal „meterdick“. Informationen fließen von verantwortlicher Stelle nicht mehr so reichlich und zeitweise zeitlich sehr versetzt. Dennoch habe ich mich für diesen Weg bewusst entschieden, weil es der richtige und der ehrlichere ist.

Danke sagen möchte ich im Jahresausklang denjenigen, die klar zwischen dem politischen Alexander Kolb und dem privaten Alexander Kolb trennen konnten. Des Weiteren gilt mein Dank den grünen UnterstützerInnen aus München und der Region Augsburg, die mir den Wechsel mehr als leicht gemacht haben. Ich fühle mich pudelwohl und freue mich auf die gemeinsame politische Arbeit!

Einen guten Rutsch und ein gesundes, friedvolles Jahr 2012 wünscht

Alexander Kolb

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